Leitfäden & Technische Ressourcen
EPC-Gen2-Struktur, GS1-Codierungsschemas, Encoding-Tools und Serien-Encoding auf der Produktionslinie: Praxisleitfaden zur UHF-RFID-Tag-Programmierung für Systemintegratoren und Fertigungsabteilungen.
Einen RFID-Tag programmieren — oder Encoding — bedeutet, strukturierte Daten in den Tag-Speicher zu schreiben, so dass Lesegeräte und Software sie korrekt interpretieren. Es reicht nicht, eine Nummer zu schreiben: Man muss das Codierungsschema (EPC, ISO, proprietär) wählen, die Felder im richtigen Format ausfüllen und in Systemen, die es erfordern, Passwörter und Sperren konfigurieren.
Eine korrekte Programmierung gewährleistet drei grundlegende Anforderungen in jedem industriellen RFID-System:
Der Standard EPC Gen2 (ISO 18000-63) organisiert den Speicher eines UHF-RFID-Tags in vier separate Banks. Die Funktion jeder einzelnen zu kennen ist der erste Schritt zur Konzeption eines korrekten Encodings:
| Bank | Name | Inhalt | Zugriff | Typische Kapazität |
|---|---|---|---|---|
| 00 | Reserved | Kill Password (32 Bit) + Access Password (32 Bit) | Lesen/Schreiben mit Passwort | 64 Bit fest |
| 01 | EPC | CRC (16 Bit) + PC (16 Bit) + EPC (96–496 Bit) | Freies Lesen; Schreiben mit Access Password | 96–128 Bit (Standard) |
| 10 | TID | Eindeutiger Chip-Identifikator (werkseitig programmiert) | Nur lesen (nicht änderbar) | 32–96 Bit |
| 11 | User Memory | Frei beschreibbare Anwendungsdaten (Charge, Datum, technische Parameter) | Lesen/Schreiben (optional) | 0–512+ Bit (chipabhängig) |
Faustregel: Verwenden Sie Bank EPC für den Hauptidentifikator des Tags (den das Lesegerät automatisch liest); verwenden Sie User Memory für zusätzliche Daten, die sich im Laufe der Zeit ändern (Wartungsdatum, Asset-Status, Bediener-Signatur). Der TID ist als zweiter Authentifizierungsfaktor nützlich, weil er eindeutig und unveränderlich ist.
Der EPC ist nicht einfach eine Seriennummer: Er ist ein nach einem von GS1 definierten Schema strukturierter Code. Das Schema bestimmt, wie die 96 oder 128 Bits des EPC auf die verschiedenen Felder aufgeteilt werden. Die am häufigsten verwendeten im Industrie- und Logistikbereich:
Das bei weitem am häufigsten verwendete Schema. Identifiziert jedes einzelne Exemplar eines kommerziellen Produkts. Struktur: Header (8 Bit) + Filter (3) + Partition (3) + Company Prefix (variabel) + Item Reference (variabel) + Serial Number (38 Bit) = 96 Bit gesamt.
Wann verwenden: Rückverfolgbarkeit von Fertigprodukten entlang der Lieferkette, Retail, Pharma. Erfordert ein GS1 Company Prefix.
Identifiziert eine Versandeinheit (Palette, Packstück, Container) weltweit eindeutig. 96-Bit-Struktur mit Extension Digit + Company Prefix + Serial Reference + Check Digit.
Wann verwenden: B2B-Logistik, unternehmensübergreifende Sendungen, automatisierter Wareneingang. Obligatorischer Standard in vielen Retail-Lieferketten (GS1 DESADV).
Identifiziert ein einzelnes physisches Asset (nicht einen Produkttyp, sondern dieses spezifische Asset). Struktur: Company Prefix + Individual Asset Reference.
Wann verwenden: Werkzeug-Management, unternehmensweites Asset-Tracking, Geräte- und Maschinenverwaltung. Erfordert nicht, dass das Asset ein kommerzielles Produkt mit GTIN ist.
Generisches Non-GS1-Schema: drei freie Felder (General Manager Number + Object Class + Serial). Erfordert keinen GS1 Company Prefix.
Wann verwenden: geschlossene Systeme (interne Logistik, interne Rückverfolgbarkeit), Pilotprojekte, Anwendungen, wo globale Eindeutigkeit nicht erforderlich ist.
Viele Systemintegratoren verwenden intern definierte EPC-Custom-Strukturen: Sie weisen die 96 Bits frei zwischen Unternehmensfeldern zu (Werk, Linie, SKU, Seriennummer, Jahr). Maximale Flexibilität, aber die Interoperabilität mit Drittanbieter-Systemen muss durch gemeinsame Dokumentation gewährleistet werden.
Ein an einen PC angeschlossener UHF-RFID-Reader, der als feste Encoding-Station verwendet wird. Die Antenne wird auf einer Arbeitsfläche oder in einem Encoding-Tunnel positioniert. Geeignet für mittlere Volumina, flexibel für verschiedene Tag-Typen (Etiketten, Hard-Tags, Inlays). Führende Marken: Impinj Speedway R420/R700, Zebra FX9600, Feig ID ISC.LRU1002.
Typischer Durchsatz: 200–600 Tags/Stunde im sequenziellen Modus mit Verifikation.
Thermodrucker mit integriertem RFID-Modul: Druckt das grafische Layout des Etiketts (Barcode, Text, Logo) und schreibt gleichzeitig den EPC in den Chip. Ideal für die interne oder On-Demand-Produktion individueller RFID-Etiketten. Referenzmarken: Zebra ZT411 RFID, Honeywell PM45c, Sato CL4NX Plus.
Drucker-Encoder verwalten automatisch das Void defekter Tags (Druck „VOID" auf Etiketten mit nicht programmierbarem Chip) und speisen das Band für den nächsten Tag weiter.
Mobiles Terminal mit integriertem RFID-Reader und Schreibfähigkeit. Verwendet für Feld-Encoding (Asset-Tagging auf bestehenden Anlagen), Post-Encoding-Verifikation, Wartung und User-Memory-Aktualisierung vor Ort. Beispiele: Zebra MC3300, Honeywell CT60 RFID, Chainway C72.
Auch nützlich für die Inbetriebnahme-Phase: Tag und Asset physisch zum Zeitpunkt der Installation verknüpfen.
Die Software verwaltet die Encoding-Logik: EPC-Generierung, Import aus ERP/WMS, Sendebefehl an den Reader, Verifikation und Fehlerprotokoll. Die wichtigsten Optionen:
Das Batch-Encoding ist die automatische Serienprogrammierung großer Tag-Volumina, typischerweise in die Produktionslinie oder eine dedizierte Etikettierstation integriert. In diesem Kontext bestimmt die Encoding-Qualität direkt die Qualität des gesamten RFID-Systems.
| Aspekt | Vorcodierung in der Fabrik (Wintag-Service) | Encoding im Feld (vor Ort) |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | Vor der Lieferung, auf der Wintag-Produktionslinie | Zum Zeitpunkt der Tag-Anwendung auf dem Asset |
| Erforderliche Infrastruktur | Keine — Tags kommen bereits programmiert an | Encoder, Software, Verbindung zum Verwaltungssystem |
| Flexibilität | EPC zum Zeitpunkt der Bestellung festgelegt | EPC kontextabhängig dynamisch zugewiesen |
| Qualitätskontrolle | 100% werkseitig geprüft, mit Zertifikat und Lieferdatei | Abhängig von der Vor-Ort-Encoding-Infrastruktur |
| EPC-Schema | SGTIN, GIAI, GID, individuell — jedes Schema nach Vereinbarung | Durch das Encoding-System des Kunden definiert |
| Ideal für | Große Volumina mit festem Schema, schnelle Einführung, fehlende Encoding-Infrastruktur | EPC-Schema, das von Laufzeitdaten abhängt, ERP/WMS-Integration |
Wintag bietet den werkseitigen Vorcodierungsservice als Teil des Produktionsauftrags an. Der Kunde liefert das EPC-Schema und den Seriennummernbereich; Wintag liefert die zu 100% geprüften programmierten Tags mit beigefügter CSV-Abgleichdatei (EPC ↔ TID).
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